Bedacht und updated in die Zukunft
Seit 1963 versuchen wir als Missionsbenediktiner der Abtei St. Otmarsberg als einen Ort des Menschseins und Christseins zu gestalten. Mit dem Kirchbau 1988 konnten wir diesen kirchlichen und zugleich gesellschaftlichen Ort mit pastoraler Arbeit stärken. Nun steht ein weiterer Schritt an. Als Abtei nehmen wir mit der Stiftung Hochsteig einen Schulträger in unser Herz auf.
1963 war ein wichtiges Jahr für unsere Gemeinschaft. Das neue Klostergebäude mit einer internen Kapelle konnte auf den 1. November hin bezogen werden. Damit konnten die beiden Standorte, das Benediktusheim in Uznach und das Benedictinum in Fribourg, vereinigt werden. Um die 30 Mönche lebten damals in Uznach und ebenso viele Schweizer wirkten in den Missionen im Globalen Süden. Mit dem Kirchbau 1988 wurde St. Otmarsberg nicht nur architektonisch aufgewertet. Vielmehr begann mit der Einweihung der Abteikirche eine vermehrte pastorale Tätigkeit vor Ort, die bis heute stetig ausgebaut werden konnte. Mit dem Neubau von Kirche, Pforte und Saal verfügen wir über eine Infrastruktur, die uns missionarisch in unseren Breitengraden tätig werden liess. Rückblickend dürfen wir sagen: Es war ein mutiger, aber kluger Schritt.
Eine veränderte Gesellschaft
Vor etwas mehr als drei Jahren starteten wir einen internen Prozess, der eine optimale und erweiterte Nutzung des Konventbaus aus dem Jahre 1963 in den Blick nahm. Es ging dabei den missionsbenediktinischen Aspekt mit den Bedürfnissen und Möglichkeiten einer postmodernen Gesellschaft in Einklang zu bringen.
Inzwischen sind wir eine klösterliche Gemeinschaft von 15 Brüdern. Wir sind international und werden es in Zukunft noch mehr sein. Wir sind gastfreundlich und wollen es bleiben. Wir sind eine Insel der Ruhe für Suchende und wollen das bleiben. Als Männer, die Gott suchen, sind und möchten wir aber Teil einer mehr und mehr säkularen Gesellschaft sein, die uns spüren, erfahren und als lebendig als Gottsuchende wahrnehmen kann. Das ist unsere Gegenwart.
Schüler im Kloster
Nachdem verschiedene Möglichkeiten geprüft wurden, eines sogar sehr detailliert, erreichte uns unerwartet die Anfrage der Stiftung Hochsteig: „Wir sind eine Sonderschule und sind auf der Suche nach neuen Schulräumlichkeiten. “Ein erster Augenschein vor Ort entwickelte sich bald in ein gegenseitiges ernsthaftes Interesse. Schüler im Kloster – Fragen wie: Lassen sich Kinderstimmen mit der klösterlichen Ruhe vereinbaren? Ist denn ein Kloster im 21. Jahrhundert ein dienender Ort für Kinder dieser Zeit? All das und viele Fragen mehr ergaben eine eindeutige Antwort: Ja, wir wollen es und zwar sowohl die Mönche der Abtei wie die Verantwortlichen der Stiftung Hochsteig.
Wer ist die Stiftung Hochsteig
Auf der Homepage lesen wir: „Die Stiftung Hochsteig bezweckt die Führung des Schulheims Hochsteig in Wattwil mit dem Ziel, Kindern und Jugendlichen, die besonderer Erziehung und Schulung bedürfen, ein angepasstes Lernumfeld in einem Internat, in einem Externat und in einer Sonderschule zu bieten. Schüler und Schülerinnen mit Verhaltens- und Lernproblemen finden einen strukturierten Rahmen und eine professionelle Begleitung, Schulung und Therapie. Das Angebot der Stiftung Hochsteig kann sich bei Bedarf auf andere Standorte ausweiten. Ebenso können weitere stützende Massnahmen für Kinder, Jugendliche oder deren Bezugspersonen angeboten werden.“ Kurz zusammengefasst lässt sich sagen: Die Stiftung Hochsteig nimmt sich im Auftrag des Kantons St. Gallen jenen jungen Menschen an, die aus verschiedenen Gründen nicht an der öffentlichen Schule unterrichtet werden können. Ziel dieser individuell gestalteten Stützungsmassnahmen ist die Wiedereingliederung in Schule und Gesellschaft.
Bildung und Diakonie auf benediktinischem Boden
Wenn wir in unsere Gesellschaft blicken, und zugleich in den missionsbenediktinischen Alltag, gibt es einen gemeinsamen Nenner. Bildung ist für beide Parteien wichtig. Sie war und ist ein unersetzlicher Pfeiler für eine gelingende Zukunft. Und, ohne Diakonie gibt es keine funktionierende Kirche und keine funktionierende Gesellschaft. Wo die Liebe zum Nächsten fehlt, fehlt die Wurzel zum Mensch- und zum Christsein. Beides, Diakonie und Bildung, pflegten wir seit unserem Gründungsjahr 1919 in Uznach – bis dato aber ausserhalb unseres Klosters. Jetzt wird es zur gelebten Realität und somit zur dritten Säule, auf dem St. Otmarsberg.
Konkret heisst das…
In den nächsten Monaten wird der St. Otmarsberg zu einer Grossbaustelle. Die Hälfte des Konventgebäudes wird komplett saniert und umgebaut. Für die Stiftung Hochsteig wird der Nordtrakt auf drei Etagen zu einem funktionierenden Schulbetrieb mit drei Klassenzimmern, entsprechenden Gruppenräumen, einer Mensa und einer Schulküche sowie mit den nötigen Räumlichkeiten für den Lehrkörper umfunktioniert. Sie wird diesen Gebäudekomplex mieten und in Eigenverantwortung die Schule führen. Der Osttrakt, bereits jetzt schon Gästetrakt, wird ebenfalls saniert und mit modernen Gästezimmern als solcher wiedereröffnet. Nach dem Umbau steht ein Schulkomplex für drei Klassen und ein Gästetrakt mit zwanzig Betten zur Verfügung. Ein separater Eingang für die Schule ermöglicht die gewünschte Trennung von Schule und Klosterbetrieb. Ja, ab August erklingt das Chorgebet nach wie vor, wie ein gelebter missionarischer Alltag mit Gästebetrieb. Neu in die Choreografie stimmt der Schulbetrieb der Stiftung Hochsteig ein. Wir sind überzeugt, dass es ein wohlklingender Gesang wird – für Kloster und Schule und somit für unsere Gesellschaft im 21. Jahrhundert.
Abt Emmanuel Rutz osb
St. Otmarsberg, Uznach
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