Brief 42

Wau, 18. Dezember 2018

Lieber Abt Emmanuel

Einmal mehr möchte ich Ihnen, der Abtei und allen Wohltätern meinen tiefgefühlten Dank für Ihre Unterstützung unseres Volkes aussprechen. Ich kann nicht genug danken, auch für Ihre Gebete. Hiermit möchte ich auch den Erhalt der Spenden bestätigen, die Sie uns geschickt haben.

Vater Abt. Vor zehn Tagen gab es verschiedene Angriffe durch junge Männer, einige von ihnen trugen Zivilkleider, andere waren in Militäruniformen. Wir verurteilen strengstens die brutalen sexuellen Angriffe auf Frauen und Mädchen in der Region Unity. Diese erschreckenden Taten sind eine traurige Erinnerung daran, dass die Sicherheitslage für Zivilpersonen sehr hart bleibt, besonders für Frauen und Kinder, trotz der erneuten Verpflichtungs-Erklärungen der südsudanesischen Führer in Bezug auf ein Ende der Kriegshandlungen und ein erneuertes Friedens-Abkommen. Vergewaltigung und andere Formen von sexueller Gewalt haben den Konflikt im Südsudan schon immer bestimmt, als Kriegstaktik und als etwas, das die gewaltsame Vertreibung schürt. Ein solch rücksichtsloses Verhalten gegenüber den am meisten verwundbaren Menschen kann nicht akzeptiert werden. Diese Angriffe auf verletzliche Zivilpersonen sind absolut schrecklich und müssen aufhören.

Wir haben die Führer aller am Konflikt Beteiligten – und die künftigen Führer der Übergangs-Regierung der Nationalen Einheit – aufgefordert, die Sicherheit von Zivilpersonen sicherzustellen und die Straffreiheit der Schuldigen als eine Priorität anzusprechen, auch durch einen handlungsfähigen „Hybrid Court“. Die einzig mögliche Lösung für die Sicherheit und das Wohlergehen unseres Volkes ist die schnelle Beendigung der Feindseligkeiten und die volle Verwirklichung des erneuerten Abkommens zur Lösung des Konfliktes im Südsudan.

Weil die Kämpfe in unserem Land noch weitergehen, haben wir alle Einnahme-Quellen verloren. Auf unseren Farmen können wir nicht ernten und die meisten Priester haben ihre Gemeinden verlassen – da die Kämpfe andauern – und suchen nach sicheren Plätzen, um ihr Leben zu retten. Um eine dauerhafte Lösung für den Lebensunterhalt unserer Priester zu finden, haben wir uns entschlossen, an der Grenze zu Äthiopien Land zu kaufen, so dass wir mit landwirtschaftlichen Aktivitäten und Bewässerungs-Systemen beginnen können. Wir möchten 10 Hektaren kaufen, kleine Häuser errichten und mit der Produktion beginnen. Im Folgenden finden Sie die Details und Erfordernisse dieses Projektes:

1 Wir brauchen 10 Hektaren Land; der Kaufpreis beträgt 22.000 Euro.

2 Die Kosten für das Bohren nach Wasser und die Installationen: 15.400 Euro.

3 Bewässerungs-Einrichtungen. 19.000 Euro.

4 Saatgut: 4500 Euro.

Dieses Projekt bedeutet Leben für unsere Priester und Schwestern, es gibt für sie sonst keine Möglichkeiten zum Überleben. Die Menschen im Südsudan essen die Blätter der Bäume und das Saatgut, da Lebensmittel mehr und mehr fehlen. Das Essen von Dingen, die kaum essbar sind, ist bei Hungersnöten eine Überlebens-Strategie. In den vergangenen sieben Jahren habe ich sehr Vieles gesehen, und die Lage verschlimmert sich. Unsere grosse Sorge ist, Mittel zu finden, um unseren Priestern und Schwestern und unseren Flüchtlingen, die alle Opfer des Krieges sind, mit Lebensmitteln zu helfen. Darum bitten wir Sie, Brüder und Schwestern und Wohltäter von St. Otmarsberg inständig, für uns zu beten und uns bei unserem Projekt zu helfen, für unsere Zukunft und damit wir unabhängig werden.

Schwestern und Brüder. Denken wir für einen Moment darüber nach, was es bedeutet, Weihnachten zu feiern ohne Haus, ohne Unterkunft, in der Kälte, auf sich selber angewiesen, im Busch zu leben. Ohne zu wissen, wo das nächste Essen herkommen wird. Unter einem Baum zu schlafen. Nicht zu wissen, ob jemand sie grundlos angreifen oder misshandeln wird. Leider ist das heute die Situation vieler heimatloser und geflohener Menschen im Südsudan.

Wir sehen eine zerbrechliche, unschuldige Hoffnung in den Augen eines Neugeborenen, das in Windeln gewickelt ist. Maria und Joseph hiessen diese junge Hoffnung willkommen, denn Jesus verkündete in seiner Person die Verheissung: „Grosse Freude wird sein für alle Menschen.“ Wir können heute diese gleiche Hoffnung nähren. Wir tun es, indem wir einander mit Zuneigung und praktischer Liebe und mit Anständigkeit begegnen und bei all unseren Unterschieden die Würde und die Schönheit nicht verbergen, die Gott uns allen, seinen Kindern, gegeben hat.

Lassen Sie mich auch etwas in Bezug auf Brüder und Schwestern sagen, die an Weihnachten selber Migranten und Flüchtlinge sind. In ihnen erkennen wir die das Ringen der Heiligen Familie. Joseph hörte vom Engel des Herrn den Ruf, sich aufzumachen und zu fliehen, um Maria und Jesus vor der örtlichen Gewalt in Sicherheit zu bringen.

An Weihnachten erinnern wir uns, dass Jesus in Armut geboren wurde, in einem Stall, inmitten der Ärmsten und der Tiere. Wir bleiben Menschen, die auf Gottes Liebe an Weihnachten angewiesen sind, besonders die Ungeborenen, die Arbeitslosen, die Leidenden und die Kranken, die Einsamen und die Trauernden. Beten wir, dass der Heilige Geist über uns komme, so wie er bei der Verkündigung die Jungfrau Maria überschattet hat, damit wir, erfüllt von der Liebe ihres Sohnes, „die Grösse des Herrn verkünden“. Frohe Weihnachten!


Möge Christus, jetzt an Weihnachten, Platz finden in Ihren Herzen und in Ihren Häusern.

Msgr. Germano Bernardo Baku, Diözese Wau, Südsudan

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