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Aktuelles

Fehlt es an Wissen?

Ein Gedanke zu neusten Entwicklungen
Seit einigen Jahren ändert sich die Gesellschaft. Bei Wahlen und Abstimmungen zeigen sich die Veränderungen klar. Auch bezüglich Kirche und Religionen ist viel in Bewegung.

Seit einigen Jahren ändert sich die Gesellschaft. Bei Wahlen und Abstimmungen zeigen sich die Veränderungen klar. Auch bezüglich Kirche und Religionen ist viel in Bewegung. Einige persönliche Gedanken.

 

Seit 25 Jahren bin ich Missionsbenediktiner. In all diesen Jahren, allem voran seit Beginn meiner Amtszeit als Abt im Jahre 2013, las und studierte ich intensiv die Veröffentlichungen der Schweizerischen Pastoralsoziologischen Instituts in St. Gallen. Da werden Fakten erarbeitet und kommentiert, die die innerkirchlichen Veränderungen und Entwicklungen aufzeigen. Spannend und hart, folgenreich und absehbar zugleich – mit all diesen Gefühlen gilt es da mitzugehen.

 

Irgendwann machen sich die Veränderung bemerkbar

Doch die Kirche ist und will kein isolierter Bereich sein. Mehr und mehr durchdringen die Entwicklungen in der Kirche auch unsere Gesellschaft und das weit über die Schweiz hinaus - hinein in den Bildungsbereich, in die Politik und in die Wirtschaft. Dabei lassen sich widersprüchliche Tendenzen erkennen, mitunter auch besorgniserregende. Und dennoch bleibt eines klar: Eine solch starke Veränderung – allein aus der Sicht der Kirche betrachtet – kann nicht ohne Folgen bleiben.

 

Der neuste Fall «Charlie Kirk»

Als «normaler» Nutzer der offiziellen Informationsquellen war mir Charlie Kirk unbekannt. Mit seiner brutalen Ermordung ist er jedoch auch mir bekannt geworden. Damit bin auch ich mit der engen Verbindung von Politik und Religion konfrontiert worden, eine Verbindung, die mir mit Blick auf die USA durchaus bekannt war. Doch durch die politischen Diskussionen, und nicht zuletzt durch die Trauerfeier für Charlie Kirk, ist sie nun global geworden, auch wenn sie durchaus mit bestimmten Formen von Authentizität durchwoben war. Doch die Frage bliebt: Wieso bin ich irritiert und mit mir nicht wenige in Europa?

Neulich lasen wir bei Tisch ein Interview aus der Neuen Zürcher Zeitung mit dem evangelischen Theologen und Professor für praktische Theologie an der Universität Zürich, Herr Thomas Schlag. Allein der Untertitel machte mich hellhörig, denn dort stand geschrieben: «Der Theologieprofessor Thomas Schlag hält das Verschwinden des Religionsunterrichts für mitverantwortlich» - für die Vermischung von Religion und Politik. Und die Begründung liefert er dann im Interview. Auf die Frage, ob es «an religiöser Grundierung fehlt», antwortet er: «Auf jeden Fall. Gerade Jugendliche und junge Erwachsene können kaum mehr einordnen, worum es geht, wenn von Endzeit, Erlösung, Opfer, Märtyrern die Rede ist. Es fehlt schlicht an Wissen, um ein Phänomen wie Kirk und diese Vermischung von Religion und Politik zu verstehen. Deshalb ist es keine gute Entwicklung, dass der Religionsunterricht immer stärker aus unseren Schulen verdrängt wird.» Schrag begründet seine Aussage damit, dass mit dem Nichtwissen in Sachen Religion «ein Verlust der kulturellen Selbstverortung» einhergeht. Da aber religiöse Diskussionen durchaus in der Lebenswelt von uns Menschen gehören, Kirk zeigt es, doch ein fundiertes Verständnis über Religionen, näherhin über christlichen Glauben «fehlt», entsteht ein Vakuum, wie wir es durch die oben erwähnten Veränderungen nun wiederholt erleben.

 

Bildung trägt

Immer wenn ich Jugendliche durch unser Kloster führe, ist es mir ein Anliegen, an zwei Orten die Bildung hervorzuheben. Die Tischlesung, die in Klöster üblich ist, ist mir ein erster Anlass dazu, junge Frauen und Männer für die Wichtigkeit der Bildung, des Lesens zu gewinnen. Beim gemeinsamen Mal mit Themen «berieselt» zu werden, schenkt über Jahre und Jahrzehnte ein fundiertes Wissen. Die zweite Möglichkeit nachhaltig auf Bildung zu verweisen, ist die Klosterbibliothek. Gerne sage ich dann: «78'000 Bücher für 15 Mönche – ein absoluter Luxus. Doch der heilige Benedikt wollte keine dummen Mönche, sondern gebildete, solche die eine eigene und fundierte Meinung bilden können.» Schrag sagt bezüglich Religionsunterricht im Interview: «Das spannende am Thema Religion ist auch, dass man darin viel exemplarisches behandeln kann – und damit dennoch Grundfragen diskutiert: Warum gibt es einen Sonntag oder einen Sabbat? Was bedeutet es kulturell? Was bedeutet es für das Zusammenleben, wenn die einen Weihnachten feiern und die anderen nicht?»

 

Bildung trägt zum Frieden bei

Eines wird mir all den Fragestellungen unserer Zeit klarer: Bildung ist einer der Hauptpfeiler für Frieden. Und dazu – und das zeigt sich für mich deutlich – gehört auch Bildung in religiösen Fragen, näherhin fundiertes Wissen im christlichen Glauben und in den daraus gewachsenen Traditionen.

 

Abt Emmanuel Rutz osb 

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