Brief 41

Diözese Wau, Südsudan 26. November 2018

Lieber Abt Emmanuel,

unser geliebter Bruder, P. Victor Luke Odhiamo [Anm.: 1. kenianischer Jesuit] wurde umgebracht. Er wurde in der Nacht des 14. Novembers von einer Gruppe bewaffneter, welche die Gemeinschaft der Jesuiten von Cueibet, im Staat Gok, überfielen, erschossen. Die anderen drei Mitglieder der Gemeinschaft blieben unversehrt. Als der erste Jesuit, der im Dienst seines Volkes starb, hinterlässt er einen Namen, nicht nur im Südsudan, sondern in ganz Ostafrika, vor allem als Lehrer von Tausenden von Studenten. Er war mutig, intelligent, sorgend, ein kreativer Verwalter und vor allem glaubte er an den Wert der Bildung. Er fürchtete sich nicht, in unbekannte Gegenden zu gehen, auch in die gefährlichsten, wenn er ganz überzeugt war, dass der Herr ihn sandte.

Die Situation im Südsudan wird von Tag zu Tag schlimmer. In vielen Staaten werden Menschen vertrieben und sterben. Wie ich in meinen früheren Briefen schrieb, töten die Rebellen-Gruppen im Südsudan täglich Unschuldige, darum nimmt die Zahl der Flüchtlinge täglich zu. Es gibt in unserem Land keinen sicheren Ort, ausgenommen die Hauptstadt Juba, in der der Präsident lebt.

Wir haben an den Präsidenten, an IGAD, AU und UN geschrieben mit der Bitte, die Situation im Südsudan zu beachten.

1. Wir rufen die Regierung von Südsudan auf, etwas zu unternehmen, um das Leben ihrer Bürger und aller, die hier leben und arbeiten, zu schützen, ohne Rücksicht auf Nationalität, Volkszugehörigkeit, Religion oder politische Verbindungen.

2. Wir verlangen, dass die für den Mord an P. Odhiambo Verantwortlichen gefunden und nach dem staatlichen Gesetz verurteilt werden. Nur so kann die Straffreiheit, die im ganzen Land vorherrscht, beendet werden.

3. Wir fordern eine schnelle und umfassende Entwaffnung im Südsudan.

4. Wir verurteilen die Auslieferung von illegalen kleinen und leichten Waffen im Südsudan, die weitgehend von westlichen und asiatischen Ländern geliefert werden. Wir fordern ein schnelles Ende der Auslieferung dieser Waffen. Wie ermutigen alle, die sich gegen die illegalen Waffen einsetzen – die bürgerliche Gesellschaft, religiöse Gruppierungen, Regierungen und Private, miteinander ein Ende der Waffenverkäufe an illegale Gruppen im Südsudan zu fordern.

5. Wir appellieren an die internationale Gemeinschaft, den Friedensprozess und die Entwicklungshilfe im Südsudan, die Einhaltung der Rechtsgesetze und – was noch wichtiger ist – den Zugang zu qualitativ guter und gerechter Bildung für alle im Südsudan kräftig zu unterstützen.

6. Wir bitten die Organisation für afrikanische Einheit (AU), regionale Regierungen und die internationale Gemeinschaft um Unterstützung für die Einhaltung des Friedensabkommens vom 12. September 2018 zwischen Präsident Salva Kiir und seinem früheren Vizepräsidenten, Riak Machar.

7. Wir appellieren an alle Eltern, Führer von Familien, Ethnien, Staaten und an die Nation, zusammenzukommen und unmissverständlich Nein zu sagen zu einer Kultur des Todes und der Gewalt. Wir müssen die Kräfte des Hasses mit dem Geist und der Kraft von Liebe, Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung zu besiegen.

P. Odhiamo gab sein Leben für das Volk, für die Söhne und Töchter Gottes, wie Jesus das getan hatte. Unser barmherziger Vater wird ihn mit offenem Herzen aufnehmen. Beten wir auch für jene, welche das College-Gelände angegriffen und P. Victor getötet haben, und für jene, die die Gewalt fördern. Möge der Herr ihre Herzen umwandeln.

Beten Sie bitte weiterhin für unser Volk und unsere Priester,

in Christus, Msgr. Germano Bernardo Baku, GV

                                             

 

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