Brief 35

Wau, 14. August 2017

Lieber Abt Emmanuel


Ich möchte Ihnen, der Abtei und allen Wohltätern meine tiefe Dankbarkeit ausdrücken, für Ihre grosse Hilfe für das Volk von Südsudan. Wir können mit diesen Gaben Lebensmittel für die hungernden Kinder in den Staaten Unity, Nord-Bahl und El Ghazal und für die vielen Flüchtlinge in unseren Lagern beschaffen. Ich danke Ihnen von Herzen für Ihre grosszügige Hilfe. Im Folgenden eine Übersicht über die derzeitige Lage in unserem Land:

Der Krieg
Wir haben an verschiedenen Friedens-Treffen teilgenommen, doch die Situation ist in sieben Staaten immer noch schlecht, da einige Gruppen von Rebellen das Abkommen über einen Waffenstillstand nicht unterzeichnen wollten. Der Präsident rief den Notstand aus, weil es in vier Staaten immer wieder zu Zusammenstössen kommt. Der Notstand gilt für Teile der Staaten Ost-Aweil, Wau, Gogrial und Jonglei.

Bei Zusammenstössen zwischen den Apuk und Aguok im Staat Gogrial wurden am vergangenen Montag 28 Menschen getötet und mehr als 130 verwundet. Viele von unseren Leuten fürchten für ihr Leben und wandern
nun in Richtung der früheren Staaten West- und Nord-Bahr el Ghazal aus. Die immer noch andauernde Vertreibung der Zivilbevölkerung an der Grenze zwischen Südsudan und  Äthiopien, in den an die Staaten Maiwut und Bieh angrenzenden Gebieten zeigt, wie unverantwortlich die Regierung und Gruppen der Opposition an unschuldigen Frauen und Kindern handeln, die unter dem andauernden Krieg leiden.

Die Spannung war sehr gross, als Jugendgruppen, die vermutlich zu den Aguok gehören, die Apuk angriffen, Dörfer niederbrannten und die Einwohner zwangen, ihre Häuser zu verlassen. Während der letzten zwei Wochen waren Kämpfer der Rebellen und die Regierungstruppen damit beschäftigt, die Kontrolle über strategische Punkte des Oberen Nil im Gebiet von Pagak, im Osten des Landes - zur äthiopischen Grenze hin - zu gewinnen. Mehr als 293.000 Leute wurden vertrieben und flohen von Mathang, Longechuk, Luakjak, Nyakich und Wunkir nach Pagak.

Die Konflikte haben – wie auch in andern Gebieten des Südsudan - mit den schon lange andauernden ethnischen Spannungen zu tun. Dazu gehören die schwerwiegenden Missbräuche gegenüber Zivilisten, welche von Regierungssoldaten und Kämpfern der Opposition verübt wurden. Kinder leiden unter der andauernden Gewalt und Armut. Wir haben die politischen Führer unseres Landes inständig gebeten, in der Stadt Yei wieder Frieden und Stabilität herzustellen. Die Lage in Yei, etwa 150 km von der Hauptstadt Juba entfernt, ist zur Zeit sehr ernst, weil dort vergangene Woche (neue) Gewaltausbrüche zu verzeichnen waren.  

Im Südsudan leiden Millionen von Kindern unter grossen Härten, punkto Schulbildung, Ernährung und Gesundheit. Tausende von südsudanesischen Frauen, Mädchen und Männern wurden aus ethnischen Gründen sexuell missbraucht und vergewaltigt; sie kämpfen mit mentalen Problemen, sind stigmatisiert und können sich an niemanden um Hilfe wenden.

Wir sind entschlossen, weiterhin unser Bestes zu tun, um der vertriebenen Bevölkerung zu helfen. Wir hatten ein gutes Treffen mit der örtlichen Führung im Staat Malakal und kamen überein, dass wir weiter zusammenarbeiten und unsere gemeinsame Arbeit verstärken sollten, um die Flüchtlinge zu schützen, auf Stabilität hin zu arbeiten und der dortigen Bevölkerung bessere Lebensbedingungen zu ermöglichen. Wir haben in unseren Lagern in Malakal zur Zeit 593.000 registrierte Flüchtlinge und gut 250.000 interne Vertriebene, die noch nicht registriert sind, weil sie erst vor einigen Tagen aus dem Staat Gogrial zu uns kamen.

Hunger
Im Staat Wau (Südsudan) sind Menschen wegen des Mangels an Nahrung gestorben. Die humanitäre Lage verschlechtert sich, unsere Leute sind am Verhungern. Die Gewalt, die sie aus Wau vertrieb, verschlechtert das Leben vieler, es sei denn sie bekommen Nothilfe. Unserem Volk fehlen Medikamente und sauberes Trinkwasser. Wir wenden uns für das, was es dringend braucht, an humanitäre Hilfsorganisationen; auch um die 1,7 Millionen Menschen in andern Teilen des Landes vor dem Verhungern zu retten (beinahe eine Million mehr seit Juni 2017). Im ganzen Land brauchen etwa 2 Millionen Menschen dringend humanitäre Hilfe. Die grösste je registrierte Zahl von Menschen, denen es an Nahrungsmitteln fehlt.

Wir bitten unsere Brüder und Schwestern und die Wohltäter, den Millionen von Menschen im Südsudan zu helfen. Seit 30 Jahren haben wir keine so schlimme Trockenheit durchgemacht. Das Wetter und unregelmässige, durch den Klimawechsel bedingte Wetterbedingungen haben zu einem sehr ernsten Wassermangel geführt. Millionen von Frauen, Männern und Kindern haben Hunger und sind unterernährt, im Osten und im Süden Südsudans. Mit einem Notruf erbitten wir für sie Hilfe. Wir müssen tun, was möglich ist und ihnen helfen, in dieser für sie sehr schwierigen Zeit.   Tausende von den am meisten gefährdeten Menschen leiden unter Nahrungsmangel. Ich möchte alle bitten, uns zu geben, was möglich ist, damit wir ihnen helfen können, diese schreckliche Lage zu durchzustehen.

Priester und Ordensfrauen bitten um Nahrungsmittel
Aus dem ganzen Land erhalten wir von Priestern und von Ordensfrauen viele Bitten. Sie bitten uns, ihnen mit Nahrungsmitteln zu helfen, da die Lage in ihren Pfarreien schlimmer wird. Einige Zahlen: Bitten von 23 Priestern und 12 Schwestern der Diözese Wau; von 19 Priestern und 7 Schwestern der Diözese Malakal. Von 28 Priestern und 20 Schwestern der Diözese Torit, von 14 Priestern und 17 Schwestern aus Rumbek, und von 28 Seminaristen, die ganz dringend Nahrungsmittel brauchen. Die Priester im Südsudan bitten dringend um Nahrungsmittel-Hilfe und auch um Mess-Stipendien, um ihre seelsorglichen Aufgaben erfüllen zu können. Sie leben praktisch von diesen Spenden und können nur so als Seelsorger arbeiten.

Für Priester in armen Pfarreien sind Mess-Stipendien überlebenswichtig. Sie bekommen kein Gehalt, und die Gläubigen haben selber nichts. Oft sind Mess-Stipendien die einzige finanzielle Quelle für diese Seelsorger; sie machen es ihnen möglich, den Bedürftigen zu helfen, die an ihre Türe klopfen. In vielen Pfarreien setzen die Menschen ihre ganze Hoffnung auf ihre Priester und wenden sich an sie in jeder Not, sei sie materiell oder spirituell. Die Priester sind Väter und Hirten und man erwartet von ihnen nicht nur Trost für ihre Seelen, sondern auch praktische Hilfe: Nahrung, Kleidung, Medikamente, Schuldgelder für die Kinder und Hilfe für die Jugendlichen in den Handwerkerschulen. Alle schauen voll Hoffnung auf den Priester.

Unterstützen wir die Priester bei ihrer täglichen Arbeit zugunsten der vergessenen und ärmsten Menschen, die Krieg und Hungersnot durchmachen. Ihre Mess-Stipendien sind eine besondere Hilfe für die Priester, die inmitten der ärmsten der Menschheitsfamilie selber arm sind.  Mess-Stipendien sind eine substantielle Hilfe für die tägliche Arbeit. Ich bitte Sie, unseren Brüdern und Schwestern nach Möglichkeit zu helfen.

Frieden zu stiften ist ein Aufruf Gott an uns alle. Lasst uns miteinander um Frieden beten. Beten Sie für die Menschen in schwierigen Gebieten. Wenn wir beten, wissen sie, dass sie nicht vergessen sind. Wir rufen nach Frieden und Versöhnung: Das ist der Wunsch der Menschen, die unter den bewaffneten Konflikten in unserem bekümmerten Land leiden.

Unser besonderer Dank gilt Ihnen, unseren Brüdern in Christus und allen Wohltätern für Ihre finanzielle Hilfe, die uns hilft, sehr vielen Bedürftigen zu helfen.

Mit respektvollen Grüssen, in Christus
Msgr. Germano Bernardo Baku, GV von Wau

 

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