Brief 31

Brief von Generalvikar Germano Bernardo Baku. Diözese Wau

Wau, 28. April 2017

Lieber Abt Emmanuel,

Wir möchten  Ihnen, Ihrer Abtei und allen Wohltätern unsern grossen Dank für Ihre  tatkräftige Hilfe für das Volk des Südsudans bezeugen. Dank Ihrer Unterstützung konnten wir in diesem Monat 331.000 Kindern zu essen geben; sie  gehören zu den 890.000 Menschen in unseren Flüchtlingslagern. Gut 500.000 Flüchtlinge sind in unseren Lagern ohne Essen.

Wir sind Zeugen dafür, dass manche Teile unseres Landes immer noch in der Hand von Chaos und Schrecken sind, da die Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungs-Soldaten weitergehen. In 28 Tagen verloren wir 250 Leute durch den Tod. Das Sterben der Menschen geht weiter. Kirchen, Moscheen und Häuser werden zerstört. Menschen suchen in vielen Pfarrei-Gebäuden Zuflucht, andere leben überall in der Diözese auf Kirchen-Grundstücken. Die Kämpfe haben dazu geführt, dass die humanitären Dienste reduziert wurden; dazu kommt der Mangel an Wasser für die Vertriebenen. Am Dienstag gab es Berichte von Bomben-Abwurf in der Stadt Kodok, am Mittwoch lebte die fast Stadt in grosser Furcht, da in der Gegend Militär-Helikopter gesehen wurden. Truppen der südsudanesischen Armee griffen Kodok und Ziele im (Staat) Oberer Nil an. Kein Teil des Landes ist frei von Konflikten und es gab auf keiner Seite gemeinsame Bemühungen, die Waffenruhe einzuhalten. Die Regierungs-Offensive in Kodok  erscheint als eine der schwersten in diesem Jahr. Sie verursachte Verwirrung beim Rebellen-Führer Johnson Olony und seinen Shilluk Kämpfern. Das könnte eine grosse Fluchtbewegung von Zivilpersonen in den benachbarten Sudan auslösen; die Zahl von Menschen, die von Kodok in den Sudan hinüber gehen, nimmt zu.

Wenn diese Kämpfe weitergehen, werden wir in unserem Land vor Jahresende mehr als 3 Millionen Flüchtlinge haben. Der Südsudan erlebt eine Krise in der Krise. Männer, Frauen und Kinder leiden und sterben an Hunger, weil es den führenden Leuten auf verschiedenen Ebenen nicht gelingt, dem Hunger zuvorzukommen. Der Angriff auf Kodok kam nach hektischen Regierungs-Offensiven im ganzen Südsudan und stellt das von Präsident Kiir im August 2015 unterzeichnete Friedensabkommen in Frage.

Der Bürgerkrieg im Südsudan ist auf dem Weg zu einem Völkermord., die Gewalt bewegt sich entlang den ethnischen Grenzen. Wir beschwören die afrikanischen Führer, mehr zu tun, um den Konflikt, der Zehntausenden von Menschen das Leben gekostet hat, zu beenden. Es gibt viele Massaker; vielen Menschen wird die Kehle durchschnitten. Grund ist das Stammesdenken und dieses ist die Basis für den Völkermord. Dörfer werden niedergebrannt, Frauen werden vergewaltigt, Lebensmittel werden als Kriegswaffe gebraucht.  Vor den ethnischen Säuberungen, für welche zumeist Regierungstruppen verantwortlich sind, fliehen Tausende von Flüchtlingen über die Grenzen. Die Gewalt, deren Zeugen wir sind, ist ein Schandfleck für Afrika.

Wir trafen uns mit dem Präsidenten wegen der andauernden Kämpfe und er war damit einverstanden, sich im kommenden Monat mit den Rebellenführern zu treffen; so können wir dann  über einen Waffenstillstand sprechen. Wir werden uns (zuvor) mit der Gruppe der Rebellen-Führern treffen, um zu sehen, ob sie mit dem (genannten) Treffen einverstanden sind und welches ihre Bedingungen sind.

Wenn wir Mittel finden, möchten wir im Rahmen unserer Programme für den Einsatz für den Frieden eine weitere Ausbildung von Führern der Ethnien und Stämme durchführen. Angesichts der ethnisch bedingten Gewalt braucht es Wahrheits,- Gerechtigkeits- und Versöhnungsprogramme auf Gemeinschafts-Basis.  Sie würden dem Volk von Südsudan die Möglichkeit geben, auszusprechen, was geschehen ist, und Lösungen zu finden.

Der Organisation für Afrikanische Einheit (AU) und IGAD ist es nicht gelungen, unsern Friedensprozess voranzubringen. Der Grund war die Art und Weise, wie sie mit dem Friedensprozess umgehen und ihn handhaben. Sie können entweder einen neuen politischen Prozess starten oder das Friedensabkommen neu stärken, so bald es möglich ist. Wenn ich die Situation analysiere, glaube ich:

  1. Sie (AU, IGAD) haben es versäumt, das Friedensabkommen umzusetzen.
  2. Sie haben es versäumt, jene, die den Frieden verletzen, einzeln zu benennen,  stattdessen sprechen sie einen allgemeinen Tadel aus.
  3. Sie haben es versäumt, alternative Lösungen vorzuschlagen, und so helfen ihre  Ideen nichts.

Vier Jahre des Nichtstun sind genug. In der Geschichte war lag das immer an der Tatenlosigkeit derer, die hätten handeln können; an der Gleichgültigkeit derer, die es besser gewusst hätten, am Schweigen der Stimme der Gerechtigkeit, wenn das Reden  wichtig gewesen wäre. Das alles machte den Triumph des Bösen möglich.

Wo ist die Stimme der Afrikanischen Einheit? Diese wurde geschaffen, um Afrika zu  stärken. Wo ist diese Stimme? Warum steht sie nicht auf für das Volk, das stirbt, wo sind seine Brüder und Schwestern?

Gibt es einen Plan für nationale Gespräche, sollten ihn die örtlichen Führer nach meiner Meinung in die Hand nehmen und die Führung übernehmen. Das bedeutet, sie sollten auf Präsident Kiir Einfluss nehmen, aber auch einen solchen Plan unterstützen, um unserem Land Frieden und Versöhnung zu bringen. Der Südsudan unterliegt zur Zeit einer ethnischen Säuberung, vor allem durch Regierungstruppen und ihre Verbündeten.

Ich rufe die Übergangsregierung auf, sich diesen Stimmen anzuschliessen und die Kriegsverbrecher festzunehmen. Rebellengruppen, die Gewalt anwenden, müssen im Sinne des Gesetztes verantwortlich gemacht werden. Die Kirche handelt als Stimme der Stimmlosen, wenn sie auf einer internationalen Intervention – so bald wie möglich – besteht. Viele Menschen haben keine Unterkunft und nichts zu essen, Kinder sind krank und besonders gefährdet.

Soweit ein kurzer Bericht über unsere Situation. Noch einmal von Herzen Dank für Freundlichkeit und Ihre grosszügige Hilfe. Mögen all Ihre Tage vom Segen erfüllt sein, den Sie zu Recht verdienen.

In Christus, Germano Bernardo Bakur, Generalvikar

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