Anigna Waldegg

Seit Ende Oktober 2013 weilt Frau Anigna Waldegg auf dem Hintergrund Voyage Partage für 6 Monate in Imiliwaha. In losen Zeitabständen berichtet sie uns von ihrem Freiwilligeneinsatz in Tansania. Als Abtei haben wir sowohl mit Frau Waldegg durch die Lourdeswallfahrt wie auch mit den Schwestern von Imiliwaha eine enge Verbindung. Seit mehreren Jahren dürfen wir sie mit den Spenden unserer Wohltäter grosszügig unterstützen.
 

Lieber Abt Emanuel

Nun ist die 3.Woche in Imiliwaha / Tanzania auch schon bald rum. Es liegen noch 158 spannende Tage vor mir. Ich freue mich darauf!
Nachdem ich am 23. Oktober von Sr. Suzy am Flughafen Dar es Salaam abgeholt worden war und (keine Ahnung wo) übernachtet habe, fand ich mich am Tag darauf um 6 Uhr im vollen „Njombe-Express“ auf dem Weg in Richtung des Ortes, an dem ich die nächsten 6 Monate verbringen werde, wieder. Nach 12 1/2h Fahrt, diversen Staus wegen Strassenüberlastung und Unfall, nur 2 WC-Stops und viel Abgasen, kam ich ganz afrikanisch über 1h zu spät an. Sr. Imakulata schien sichtlich erleichtert, als ich endlich ausstieg. Nach einer weiteren Stunde mit dem Auto erreichten wir die Tore von Imiliwaha.
Bereits am Tag darauf fand ich mich an meiner neuen Arbeitsstelle, dem Waisenhaus ein. Kaum hatte mich eines der Kinder erblickt, ertönte ein lautes „Mzungu!“ und überall schienen Augenpaare hervor zu schauen. In der Zwischenzeit habe ich ihnen meinen Namen beigebracht und sie verstecken sich auch nicht mehr, wenn ich komme. Zu Beginn war ich recht erschrocken, wie passiv die Kinder schienen. Dies bessert sich aber von Tag zu Tag. Der Ball ist unser liebstes Spielzeug! Andere Spiele werden warten müssen, bis ich mich besser mit ihnen verständigen kann; obwohl mir Annemarie doch einige Wörter beigebracht hat. Aber auch da hat sich schon einiges getan. Ich kann ihnen immerhin schon rufen, wenn die Windeln gewechselt werden sollen.
Im Convent wurde ich herzlich willkommen geheissen; und als sie hörten, dass ich aus der Schweiz komme, fragten sie als 1. nach Barbara (sie war vor 5 Jahren als Volontärin von „Voyage-Partage“ hier im Einsatz) und dann nach diversen von deinen Brüdern, die hier einige Zeit verbracht haben. Immer wieder betonten sie, wie viel ihr ihnen geholfen hättet. Ich werde schauen, dass sie mir mehr darüber erzählen und ich z.B. Sr. Reinfreda, die von Bruder Arthur angelernt wurde, beim Wursten zusehen oder sogar helfen kann. Auch der Name von Pater Niklaus fällt immer wieder.
Vor 2 Tagen war der ganze Convent auf den Beinen, da das angrenzende Waldstück, oder besser gesagt der Waldboden, in Brand geraten war. Zum Ende der Trockenzeit ist es eben sehr trocken und es reicht ein winziger Funken. Alles was einen Kübel tragen konnte und nicht anderweitig beschäftigt war, holte Wasser aus dem nahe gelegenen See. Ich war erstaunt über die Afrikaner. Denn sie schienen sich dennoch nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Ich selbst habe riesige Angst vor so grossen Feuern und war daher nicht unbedingt traurig, dass man mich als „Gast“ nicht helfen lassen wollte. Zu meiner Freude griff das Feuer aber nicht weiter um sich und konnte gelöscht werden, ohne dass jemand zu Schaden kam.
Nun wünsche ich dir aber noch einen schönen Abend und einen gelungenen Start in die neue Woche!
 
Anigna
 

 

Lieber Abt Emanuel

Heute feiern wir den 2. Advent! Aus der Schweiz kenne ich es, dass die dazukommende Kerze während des Gottesdienstes entzündet wird. Hier scheint es dafür kein spezielles Ritual zu geben. Auch sonst scheint mir hier der Advent nichts Spezielles zu sein.

Oder hatte ich von allem (Gottesdienste, Advent, ...) ein falsches Bild? Die Messen scheinen sich kaum von unseren zu unterscheiden, obwohl ich immer gehört habe, dass sie in Afrika viel lebendiger und fröhlicher sein sollen als bei uns. Oder könnte es daran liegen, dass so lange Europäer als Pfarrer hier tätig waren; oder daran, dass es ein Kloster ist?
Kurzerhand habe ich, wie zu Hause bei Mami gelernt, etwas europäisches Brauchtum eingebracht. Die Kerzenwahl ist allerdings von den Schwestern! Mangels eines anderen Immergrüns, duftet der Kranz herrlich nach Rosmarin.
Im letzten Monat waren ein paar Südtiroler zu besuch. Sie sind jedes Jahr hier und kennen sich entsprechend gut aus. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, mit ihnen Freunde in Hanga (nahe Songea) zu besuchen. So fuhr ich zum ersten Mal "Daladala". Als ich dachte, dass wirklich keiner mehr Platz hätte, sind locker nochmals mind. 2 Personen eingestiegen! Kurzentschlossen nahm ich ein Mädchen auf den Schoss, damit es nicht "zerquetscht" werden konnte.
Da sie einen Bekannten im Priesterseminar haben, fuhren wir auch nach Peramiho. Ich muss schon sagen: Eine imposante Einrichtung! Auch die Gebäude der Abtei, jedenfalls dem, was man von aussen zu Gesicht bekommt, sieht man den europäischen Einfluss an. Leider war es schon eher spät und so blieb mir nur ein Blick aus dem Autofenster.
In den letzten Novembertagen hat es begonnen, zu regnen. Ein wahrer Segen für die Menschen hier. Denn das Sammeln von Wasser ist ein "Dauerbrenner". Ebenso ist das Thema Elektrizität auf der Tagesordnung. Wenn ich es richtig verstanden habe, gewinnen sie die Energie unter anderem aus der Wasserkraft des nahegelegenen Sees (der jedoch nicht immer genügend Wasser führt). Wäre es nicht extrem teuer, würde ich hier ein Windrad (wie auf dem "Mont Soleil" im Jura) vorschlagen. Denn ich habe hier noch kaum einen Tag ohne Wind erlebt.
Da ich nicht gerade ungeschickt im Umgang mit Nadel und Faden bin, habe ich die zweifelhafte Ehre, die Unmengen an kaputten Kleidern der Kinder wenn möglich zu flicken. Da gerade Schulferien sind, leben nun auch wieder die 6 Kinder des Kindergartens in der "Yatima" (Waisenhaus) bei uns. Anfangs Januar beginnt das neue Schuljahr und so werden sie,  von der italienischen Organisation "Pangea" gesponserte Primarschule "San Don Bosco" in Unewa besuchen. Ohne sie wird es einiges ruhiger zu und her gehen und mir etwas fehlen!
So wünsche ich dir noch einen erlebnisreichen Advent und ein gesegnetes Weihnachtsfest!
 
Allzeit bereit!
Anigna

 


 

Lieber Abt Emmanuel

Ich weiss nicht, wie oft ich diese Mail an dich schon begonnen habe. Doch leider wurde sie nie fertig gestellt. Immer kam irgend etwas dazwischen!
Vor wenigen Tagen bin ich von meinem zweiwöchigen "Zwangsurlaub" in Mombasa und Sansibar zurückgekommen. "Zwangsurlaub" deshalb, weil ich wegen des endenden Visums Ausreisen musste. Auch wenn nicht alles so lief wie geplant, habe ich die Ferien dennoch sehr genossen. Vor allem hatten wir nur an einem Tag etwas Regen! Ansonsten schien stets die Sonne. Getrübt wurde die Reise anfänglich davon, dass ich doch wirklich zwei Tage vorher die Malaria bekommen musste und darum leicht angeschlagen in den Urlaub startete. Dank den Medikamenten ging es mir aber schon bald wieder besser und jetzt fühle ich mich wieder bestens. Allerdings ist es jetzt wohl aus mit dem Blutspenden! Auf dem Rückweg nach Imiliwaha stiegen wir für die erste Strecke nicht in den Bus, sondern in den Zug ein. Ich freute mich riesig darauf! Ganz afrikanisch starteten wir mit sechs Stunden Verspätung. Dies hatte aber leider zur Folge, dass wir vom Nationalpark, den wir durchfuhren, nichts sahen, da es Nacht geworden war. Dafür konnten wir in ein unvergleichliches Sternenmeer blicken. Die Nacht wurde für uns (die zwei ital. Volontäre von Pangea begleiteten mich) relativ kurz. Anfangs wurden wir von den Japanern aus dem Nebenabteil wach gehalten und danach weckte uns immer wieder das Quietschen, Knarren und Holpern des doch schon in die Jahre gekommenen und schlecht gewarteten Zuges. Den Rost an gewissen Stellen fand ich nicht so vertrauenserweckend. Doch ich würde es sofort wieder machen! Denn die Aussicht und die Atmosphäre unter den Reisenden sind unvergleichlich.
Dass mein Visum erneuert werden musste, bedeutet aber auch, dass die Hälfte meiner Zeit hier um ist; und dass die Zeit nun noch schneller vergehen wird als bis anhin. Kurz vor Weihnachten besuchte ich euren Bruder Andreas in Uwemba. Voller Stolz (zu recht) zeigte er mir die neue Bäckerei. Ich war total beeindruckt und völlig aus dem Häuschen, dass ich "anständiges" Brot kaufen konnte. Das ewige Weissbrot ohne knusprige Kruste habe ich irgendwann gesehen. Obwohl Mama Angelina mehr als genug zu Essen auf den Tisch bringt und sich immer wieder was einfallen lässt, ist meine Liste mit den Speisen, die ich vermisse schon  ziemlich lang. Hier gibt es übrigens an fünf von sieben Morgen Rösti mit Spiegelei!
Nach den Weihnachtsfeiertagen wurde es im Convent wieder etwas ruhiger. Dafür geht es in der Yatima/Waisenhaus seither hoch zu und her. Wir haben zur Zeit eine hohe Fluktuationsrate bei den Betreuerinnen. Künden auf afrikanisch funktioniert übrigens meistens so, dass sie auf einmal einfach nicht mehr hier sind und zu der verantwortlichen Schwester kein Wort gesagt haben. Die meisten von den doch sehr jungen Frauen kommen mit der Arbeitsbelastung einfach nicht klar. Denn sie haben hier einen 24h-Job. Und so wie ich es verstanden habe, ist der Umgang mit Kot und Urin hier etwas vom Schlimmsten. Jedenfalls sind wir vollkommen damit beschäftigt, die neuen Frauen einzuarbeiten und fehlende zu kompensieren. Wo ich doch zwei Mal schlucken musste war, als man mir sagte, dass ich ihnen beibringen müsse, wie man ein Kind wäscht oder Kleider zusammenlegt. Meist wissen sie nicht mal, wie sie sich selbst richtig waschen sollen. Und dann kommt da ja wieder die berühmte afrikanische Arbeitsmentalität dazu. Mama Stella hat alle Hände voll damit zu tun, ihnen hinterher zu sein. Ich persönlich versuche einen gesunden "Mittelweg" zu gehen, was nicht unbedingt einfach ist. Lasse ich die nicht getane Arbeit der Bertreuerinnen ebenfalls liegen; erledige ich sie einfach selbst, was zur Folge haben könnte, dass sie sich angewöhnen, unbeliebt Arbeiten einfach liegen zu lassen, da Anigna sie ja irgendwann macht; spreche ich sie darauf an oder sage ich es der verantwortlichen Schwester, was, wenn dies zu oft vorkommt, mir den Ruf der Petztante einbringen würde und nicht unbedingt hilfreich wäre.
Meine "Knirpse" entwickeln sich prächtig und ich habe riesen Freude an ihnen. Sie hier zurück zu lassen kann ich mir noch gar nicht vorstellen. Da würde mir doch glatt ein Verwendungszweck für das leerstehende Kloster in Appenzell einfallen!
 
Mit liebsten Grüssen
Anigna
 

Lieber Abt Emmanuel
 
Die Zeit rast noch schneller als bisher. In drei Wochen befinde ich mich bereits wieder im Landeanflug auf Zürich. Wie wird es sich anfühlen, wieder unter bekannten Menschen, "Weissen/Wazungu", in der Hektik der westlichen, oder von hier aus besser gesagt, nördlichen Welt zu sein. Werde ich damit klar kommen?; mich in den Alltag mit Familie, Freunden und im Beruf wiedereingliedern können? So sehr ich mich auf Familie, Freunde, ... freue; ich habe auch eine gehörige Portion Respekt davor.
In guter Schweizer Manier habe ich schon früh begonnen, meine Abschiedsgeschenke vorzubereiten. Wie du mich ja kennst, habe ich die selber gebastelt und fabriziert. Fürs Waisenhaus gab es neue Vorhänge aus Kitengestoff, sowie Vorhangstangen für die Kinderzimmer. Es sieht toll aus und ich bin richtig stolz darauf.
Nun aber zu all dem, was hier in den letzten Wochen so passiert ist. Die Situation mit den Dadas in der Yatima (Waisenhaus) hat sich etwas beruhigt. Die, die wir momentan haben, sind echt gut (für afrikanische Verhältnisse) und alles aufgestellte Mädchen. Mama Stella und ich sind mit ihnen sehr zufrieden. Auch den Kindern tut die Kontinuität der Betreuerinnen gut. Sie sind aufgestellt, ANHÄNGLICH, zänkisch untereinander und der Grossteil hat gerade das Sprechen in Sätzen für sich entdeckt, was bedeutet, dass es nun noch lauter zu und her geht. Unsere Kleinste, aber nicht die Jüngste (sie ist mit acht Monaten so gross wie in der CH ein Neugeborenes) sitzt seit etwa zwei Wochen. Sie ist eine echte Kämpfernatur und ich bin soooo stolz auf sie. Was mache ich in der CH bloss ohne sie??? Oder soll ich nicht doch zwei oder drei mitnehmen?
Vor gut zwei Wochen ist eine der hiesigen Schwestern bei einem Autounfall (PW gegen Lastwagen) ums Leben gekommen. So eine Beerdigung ist hier ja ein riesen Anlass. Von Morongoro bis Songea und Hanga scheinen die Priester / Nonnen und Mönche angereist zu sein (ich habe in der Kirche gut 25 Priester und den Bischof und den Vikar von Njombe gezählt). Dazu kamen natürlich noch Verwandte und Bekannte. Kurzum, die Kirche war brechend voll! Dies war vor allem für unsere Küchencrew unter der Leitung Mama Angelinas eine grosse Herausforderung. Denn hier ist die Beisetzung am nächsten und nicht erst nach drei Tagen. Für mich war es selbstverständlich, dass ich ihnen beim Kartoffeln schälen, "Reisputzen", Gemüse schnippeln, ... bis spät in die Nacht und am folgenden Tag zur Hand ging. Die Schwestern hatten jedenfalls alle grosse Freude. Ich kannte die Verstorbene Sr. Claudia, denn sie hatte, bevor sie in eine Pfarrei geschickt wurde, in der Yatima gearbeitet.
Die anderen zwei Insassen des Unglückswagens sind ausser Lebensgefahr und nun auf dem Weg der Besserung.
Letzte Woche habe ich in der Küche mitgeholfen. Schliesslich möchte ich ja 1 oder 2 afrikanische Gerichte auf den Tisch zaubern können, wenn ich schon so lange hier war. Allerdings habe ich gegenüber den Schwestern auch ein schlechtes Gewissen bekommen. Für den Pfarrer und mich gibt es täglich mindestens Fleisch, Gemüse, Reis, Kartoffeln und Ugali, und was ihnen sonst gerade noch so einfällt, während es für die gut 140 Schwestern mehr oder weniger immer Ugali und Gemüse gibt; ein bis zwei Mal pro Woche Fleisch. Doch dies scheint mehr als normal und sie nicht wirklich zu stören.
Vom Wetter her gibt es nicht wirklich viel Neues. Es regnet immer noch an fünf von sieben Tagen die Woche mindestens ein Mal. Nur sind die Sonnenstunden dazwischen etwas länger geworden, was vor allem die Kinder, aber auch ich sehr geniesse. Ich flicke weiterhin Unmengen an Kleider, wobei ich nicht wirklich gut vom Fleck komme, da immer ein paar Kinder auf mir herumklettern oder liegen. Kleider, die ich zu Beginn geflickt habe, liegen nun schon wieder in meinem Korb.
Letzthin konnte ich die Oberschwester des Health Centers zum Mutter-Kind-Tag in eines der Dörfer begleiten. Eine schöne Erfahrung. Schade, habe ich dies nicht schon früher getan.
Vor zwei Wochen war ich nochmals kurz bei Bruder Andreas in Uwemba Brot kaufen. Das ewige Weissbrot kann ich schon bald nicht mehr sehen. Ganz afrikanisch stellte ich mich nachher an den Strassenrand, um auf den Bus nach Imiliwaha zu warten, der wie jeden Tag kommen sollte. Leider nicht an dem Tag. Geschlagene vier Stunden sass ich da. Mit viel Glück und in Privatauto und auf dem Töff kam ich schliesslich abends um halb acht im Convent an.
Ich nehme an, Bruder Bernhard und sein Team sind voll in den Vorbereitungen für die diesjährige Wallfahrt. Ich selbst muss leider passen. Mein Team hätte keine Freude daran, wenn ich, kaum wieder mit der Arbeit begonnen, erneut fehlen würde. Nächstes Jahr wieder!
So wünsche ich dir einen schönen Donnerstag und bis bald.
 

Anigna

 
K
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